www.Schwerteln.de : Glossar.Versetzen Letzte Änderung: August 28, 2007, at 06:40 PM

Versetzen
Letzte Änderung: August 28, 2007, at 06:40 PM von Elmar

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  • Einordnung: Konzept
  • Begriffsherkunft: Historisch
  • Waffe: Alle
  • Synonyme: versezen, Versatzung, to set aside, to displace
Die Schwertler meinen:

Versetzen bezeichnet in den meisten Fällen sehr allgemein das Abwehren eines gegnerischen Angriffs durch einen Kontakt mit der eigenen Waffe. Der Begriff bezeichnet aber keine bestimmte Technik hierzu.

Untersucht man die sehr zahlreichen Vorkommen in den Quellen genauer, stellt allerdings man fest, dass der Begriff stark kontextabhängig ist und man mindestens die folgenden Verwendungen unterscheiden kann:

  1. (Hauptbedeutung) Abwehrhandlung mit der Waffe
    Im heutigen historischen Fechten wird der Begriff meist in dieser allgemeinen Form verwendet. Dieses Versetzen kann sehr wohl kunstgerecht erfolgen. Als zentrales Kriterium hierfür verstehen die alten Meister das Brechen des gegnerischen Vor mit der Aktion, indem entweder eine direkte Bedrohung geschaffen wird, die den Gegner ins Nach bringt oder aber der Gegner mit dem Versetzen (im Indes) getroffen wird.
  2. (Negativ besetzt) rein defensive Abwehrhandlung
    So ist der Begriff zu verstehen, wenn in fast jedem Manuskript vor dem (bloßen) Versetzen gewarnt wird. Gemeint ist, dass derjenige, der nur abwehrt (und damit im Nach bleibt), zwingend irgendwann getroffen wird, weil er keine Chance erhalten wird, den Kampf zu seinen Gunsten zu beenden.
  3. (Als "versetzung", "versatzung") Position, die durch das Versetzen entsteht
    Z.B. bei Ringeck (15r, 30r) oder Mair 4v.
  4. (Als "vier versetzung" bei Ringeck auch) Brüche gegen die Haupthuten
    Ringeck gibt die Meisterhäue als "vier versetzung" gegen die Huten an (18v, 35r) und zählt sie damit zu seinen siebzehn Hauptstücken - zu denen alle fünf Meisterhäue aber auch nochmals explizit gezählt werden. Er führt folgende Brüche aus:
    • der Krumphau bricht den Ochsen
    • der Zwerchhau bricht die Hut vom Tage
    • der Schielhau bricht den Pflug
    • der Scheitelhau bricht den Alber
Ein weiteres Indiz, dass Ringeck mit dem Begriff keine beliebige Abwehr verbindet ist, dass er mehrfach davon schreibt, dass der Gegner mit versetzen oder sunst ans Schwert bindet. An anderen Stellen scheint Ringeck den Begriff aber allgemeiner zu gebrauchen, wenn er mehrfach vom Gegner schreibt so muß er dir versetzen.
Marcel Dorfer meint:

versetzen:

  1. Das versetzen oder die versatzung gliedert sich in den krumphau, zwerchhau, schielhau und scheitelhau. Mit dem versetzen werden - in der genannten Reihenfolge - die Angriffe aus den huten ochs, vom tag, pflug und alber abgewiesen.
  2. (Mit kunst/elegant) Parieren, abweisen, ablenken, zur-Seite-setzen.
André Schulze meint:

Versetzen, Versatzung: Das Abwehren des gegnerischen Angriffs; auch den Gegner ins Leere laufen zu lassen, ohne ihn dabei mit dem Schwert zu treffen. Auch die Kampfstellung (Hut, Leger) wird manchmal so bezeichnet (53. 70. 71. 72. 73. 75. 78. 83. 88. 90. 91. 92. 98. 101. 135. 138. 143. 170. 173).

Quellenverweise:

  • GNM3227a: -
  • Ringeck 1440: 13v, 15r, 18v, 34v, 59v
  • Danzig 1452: 12r, 14v, 15v, 21v, 26rf, 57v, 66v, 80v, 99r,
  • Meyer 1570: 10r, 15r, 15r ff und weitere
  • Mair 1542: 1r ff, 4v (Versetzung), 11r, 72r

Referenzierende Artikel:

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März 2015: Gladiatoria/New Haven von Dierk Hagedorn & Bartlomiej Walczak

Januar 2012: Joachim Meyers Kunst Des Fechtens von Alex Kiermayer

Juli 2010: DVD Langes Schwert Teil 2 von Alex Kiermayer und Hans Heim

Juli 2010: Der Königsegger Codex herausgegeben von André Schulze

Januar 2009: Dierk Hagedorns Transkription und Übersetzung des Peter von Danzig

Mai 2008: Wolfgang Abarts Lebendige Schwertkunst