www.Schwerteln.de : Glossar.Zornhau Letzte Änderung: July 25, 2008, at 10:55 AM

Zornhau
Letzte Änderung: July 25, 2008, at 10:55 AM von Elmar

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Die Schwertler meinen:

Einer der Meisterhaue (bzw. ein verporgen Hau aus dem liechtenauerschen System). Es handelt sich dabei im Grunde lediglich um einen diagonalen Oberhau von der rechten Schulter mit der langen Schneide. Geschlagen wird dieser im Zufechten meist vom Tag oder von der Schulter. Die Quellen bemerken selbst, dass der Schlag an sich keine Besonderheit darstellt (so wird bei Danzig1452: 13r gesagt, es wäre nichts anderes als ein slächter pauren slagk). Eine generelle Identifizierung des Zornhaus mit einem diagonalen Oberhau kann man aus den Quellen des 15. Jhdts trotzdem nicht herauslesen. Der Grund, warum der Zornhau gesondert betrachtet wird, dürfte zunächst in der taktischen Verwendung zu suchen sein:

Der Zornhau dient bei Liechtenauer zum brechen aller Oberhäue. Er wird dazu von oben (viele Quellen merken dies explizit an) in den gegnerischen Hau hinein und stets ins Hengen geschlagen, also so, dass der Ort auf Gesicht oder Brust des Gegners ausgerichtet ist. Aus dieser Position wird sofort gestochen, wenn der Gegner weich genug am Schwert ist. (Obwohl Ringeck auf 19r rät, stark zu schlagen, kann mit dem Zornhau kein Gewalthieb gemeint sein, denn sonst wäre dieses Fühlen nicht möglich. Interessanterweise spricht Speyer auf 14r auch nur von einem Hau, der zorniglich glich ist.)

Versetzt der Gegner nun den Stich, ergeben sich weitere Möglichkeiten:

  • Das obere Abnehmen mit anschließendem Hau auf die andere Seite (Speyer: 14r beschreibt auch ein fingiertes Abnehmen)
  • Ein oberes, äußeres Winden nach rechts mit anschließendem Stich zum Gesicht
  • Ein oberes, inneres Winden nach links mit anschließendem Stich
  • Das Duplieren, ein zweiter, ansatzloser Hau hinter der Klinge des Gegners
  • Das Mutieren, eine Technik, die dem inneren Winden ähnelt

Auch diverse Brüche gegen obige Techniken sowie teilweise wiederum deren Brüche finden sich in den Quellen, so dass die taktischen Varianten des Zornhau als in der damaligen Zeit sehr gut untersucht gelten dürfen. Ziel scheint es dabei in jedem Fall, durch schnell wechselnde Ziele und Techniken den Gegner im ständigen Nach zu halten.

Unter optimalen Bedingungen ist es mit dem Zornhau sogar möglich, einen mit einem Oberhau angreifenden Gegner indes zu treffen und sich selbst trotzdem zu schützen. GNM3227a: 23r empfiehlt zu diesem Zweck ausdrücklich, den Hau czum mane auszuführen, so dass der Stich eine zweite Absicht bleibt. An derselben Stelle wird auch gesagt, man solle eyme czu der rechten seiten, also zur eigenen linken Seite, gehen!

In den Quellen des 15. Jhdts ändert sich aber möglicherweise der Schwerpunkt, denn z.B. bei Danzig1452: 13r heißt es zwar noch, der Hau sei an alle vor saczung auszuführen, aber auch ausdrücklich auf sein swert. Ob aber hier tatsächlich bereits eine graduelle Wandlung eingetreten ist oder aber lediglich die Beschreibung der ersten Absicht implizit gelassen wird, kann nicht zweifelsfrei festgestellt werden.

Fest steht hingegen, dass sich der Zornhau im 16. Jhdt stark gewandelt hat: Er stellt nunmehr keinen Bruch gegen Oberhäue mehr dar, sondern ist zu einem universellen Angriffsschlag geworden. Sein Ziel ist Kopf oder Brust. Zudem beschreibt Meyer ihn nun nicht mehr nur vom Tag, sondern auch aus der Zornhut.

Die lebendige Schwertkunst meint:

Wolfgang Abart hat auf dem Augsburger Schwerttreffen 2008 eindrucksvoll dargelegt, dass selbst im 15. Jhdt die Auffassungen des Zornhau in den verschiedenen Quellen stark variieren. Er hat dabei darauf hingewiesen, dass der Angreifer sich in vielen Varianten zur eigenen linken(!) Seite bewegt, keinesfalls aber nach rechts ausweicht. Möglicherweise werden wir die verschiedenen Varianten zu einem späteren Zeitpunkt hier dokumentieren können.

Marcel Dorfer meint:

zorn haw, zornhau: Ein kräftiger oberhau mit viel Kraft und Schwung durchgezogen von der dem Gegner abge-wandten Seite (aus der zornhut oder vom tag - weiter ausgeholt). Üblicherweise von rechts.

André Schulze meint:

kein Eintrag

Quellenverweise:


Referenzierende Artikel:

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Juli 2010: DVD Langes Schwert Teil 2 von Alex Kiermayer und Hans Heim

Juli 2010: Der Königsegger Codex herausgegeben von André Schulze

Januar 2009: Dierk Hagedorns Transkription und Übersetzung des Peter von Danzig

Mai 2008: Wolfgang Abarts Lebendige Schwertkunst