www.Schwerteln.de : Glossar.Zwerchhau Letzte Änderung: February 13, 2008, at 10:40 AM

Zum Begriff Umbschlagen siehe folgender Eintrag:



Zwerchhau
Letzte Änderung: February 13, 2008, at 10:40 AM von Elmar

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Die Schwertler meinen:

Einer der Meisterhaue (bzw. ein verporgen Hau aus dem liechtenauerschen System), bei dem das Schwert in einer peitschenartigen, horizontalen Bewegung um die rechte Hand rotiert. Hände und Gehilz liegen dabei als Schutz vor und über dem eigenen Kopf, der Daumen liegt unten auf der Klinge (siehe Daumengriff). Der Zwerchhau kann aus allen Haupthuten geschlagen werden, er endet meist (siehe aber Varianten) im Ochs mit liegender Klinge.

Bild folgt

Der Zwerch stellt eine wichtige Verteidigung gegen Angriffe von oben dar, insofern heißt es, der Zwerchhau bricht die Hut Vom Tag. In seiner Grundform wird der Hau mit einem Schritt oder Sprung aus der Linie entgegen der Richtung des Haus ausgeführt. Die eigene Stärke versetzt dabei den Angriff, und indes trifft die eigene Schwäche den Kopf des Gegners.

Der Zwerchhau ist im langen Schwert von zentraler Bedeutung, so liest man etwa im GNM3227a, "das of dem ganczen swerte keyn haw als redlich zo heftik zo vertik und zo gut ist als der twer". Die Anzahl der beschriebenen Stücke und Brüche zum Zwerchhau in den Quellen ist überwältigend.

Umzwerchen

Der einfachste beschriebene Bruch gegen den Zwerchhau ist es, dem Angreifer auf die Klinge zu fallen. Aus dieser Situation wird der ursprüngliche Angreifer mit seinem Angriff fortfahren, indem er umzwercht (oder auch umbschlaegt), d.h. er verschafft sich mit einem kurzen Stoß des eigenen Gehilzes den Freiraum, um dann auf der anderen Seite erneut zu zwerchen. Dagegen wiederum raten die alten Meister etwa, mit einem Schritt selbst dem erneuten Angriff entgegen zu zwerchen und dabei unter die gegnerische Klinge zu kommen.

Varianten

In manchen Details etwas unklar belegt ist die Ausrichtung der Schneiden beim Zwerchhau. Die Quellen sind sich zunächst, wo derlei erwähnt wird (z.B. GNM3227a: 28r, Meyer1570: 35v), zwar einig darüber, dass der Zwerchhau nach links mit der kurzen und nach rechts mit der langen Schneide zu erfolgen hat, aber schon bei GNM3227a: 27v existiert auch eine zumindest missverständliche Stelle, die sagt, der Zwerchhau kann czu beyden seiten mit beiden sneiden ausgeführt werden.

Es fällt allerdings auf, dass die alten Meister den Zwerchhau im Zufechten fast ausschließlich auf die linke Seite beschreiben (einzige Ausnahme stellt womöglich Danzig1452: 21r dar), auf die rechte Seite dagegen nur als Umbschlagen. Fragt man sich nun nach der Ausführbarkeit des Zwerchs gegen diagonale Oberhäue mit einer scharfen Klinge, so wird eine mögliche Erklärung offenbar: Während beim Zwerchen nach links die Klinge automatisch eine stehende (und damit zur angreifenden Waffe flache) Position durchläuft, tut sie dies auf der rechten Seite nicht und ist somit bei gewaltsamem Glitzen potentiell klingenzerstörerisch. (Die Fechtschule der lebendigen Schwertkunst löst das Problem noch auf eine andere Weise, s.u.)

Meyer führt schließlich auf 31v noch eine allerdings exotische Variante nach rechts mit der kurzen Schneide auf, die wahrscheinlich zu den Zwerchhäuen gezählt werden kann.

In den Quellen werden weiter zwei verschiedene Ziele für den Zwerchhau angegeben, neben dem Kopf (Zwerch zum Ochs) auch die unteren Blößen (Zwerch zum Pflug). Letzterer endet ebenfalls mit hohen Händen in einer Art Hangetort.

Ueberzwerchhau

Nicht zu verwechseln ist der Zwerchhau bei Meyer mit dem Ueberzwerchhau, den er zu allem Überfluss auf 11v auch noch mit "zwerchhauw" abkürzt, der aber ein Synonym für den Mittelhau darstellt.

Die lebendige Schwertkunst meint:

In der lebendigen Schwertkunst wird der Zwerchhau auf beide Seiten mit der kurzen Schneide geschlagen wird, wodurch das oben beschriebene Verwenden der Hände und damit der Klinge auch auf der rechten Seite die Waffe vor einem Kontakt in zu steilem Winkel schützt. So entsteht als Endposition eine Sonderform des Ochs, siehe auch gesonderter Eintrag dort.

Marcel Dorfer meint:

zwerchhau, zwerchhaw: Ein horizontal geführter hau über links oder rechts, wobei das gehiltz oberhalb vor der Stirn rotiert wird und die Unterarme den Kopf schützen. Üblicherweise kombiniert mit Körperdre-hung und Schritt in Schlagrichtung.

André Schulze meint:

Zwerchhau: Hau mit der kurzen Schneide. Geeignet zum "Absetzen" gegen einen schrägen Oberhau. Der Oberhau wird angesetzt, wobei dann mit der "Stärke" abgewehrt und gleichzeitig mit dem Ort bzw. der Schwäche ein Angriff zum Kopf des Gegners geschlagen wird. Wird in etwa waagerecht ausgeführt. Kann auch die unteren Blößen angreifen.

Quellenverweise:


Referenzierende Artikel:

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Januar 2012: Joachim Meyers Kunst Des Fechtens von Alex Kiermayer

Juli 2010: DVD Langes Schwert Teil 2 von Alex Kiermayer und Hans Heim

Juli 2010: Der Königsegger Codex herausgegeben von André Schulze

Januar 2009: Dierk Hagedorns Transkription und Übersetzung des Peter von Danzig

Mai 2008: Wolfgang Abarts Lebendige Schwertkunst