www.Schwerteln.de : Glossar.Schnitt Letzte Änderung: March 10, 2008, at 04:54 PM

Schnitt
Letzte Änderung: March 10, 2008, at 04:54 PM von Elmar

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Die Schwertler meinen:

Die Möglichkeit, den Gegner zu verletzen, indem die Schneide angelegt und unter Druck über das Ziel bewegt wird. Der Schnitt ist, aus dem Winden ausgeführt, einer der drei Wunder. Er wird dort eingesetzt, wenn ein Hau aufgrund zu kurzer Distanz nicht möglich ist. Außerhalb des Windens unterschieden viele der alten Meister vier Schnitte (Ringeck1440: 44v, Danzig1452: 34v, Egenolph: 10r), nämlich zwei obere und zwei untere, ohne diese allerdings einheitlich zu nummerieren.

Grundsätzlich kann man technisch noch zwischen einem schiebenden und einem ziehenden Schnitt unterscheiden, wobei beide Begriffe modernen Ursprungs sind:

Ziehender Schnitt
Schiebender Schnitt

Die beiden sogenannten unteren Schnitte sind vor allem anwendbar, wenn der Gegner im Band oder bei einem Hau mit hohen Händen einläuft, also die Mensur verkürzen will. Man verwendet (d.h. verdreht) sein Schwert und schneidet ihm von unten in die Hände, und zwar:

  • gegen einen Hau zur eigenen linken Seite mit der langen Schneide
  • gegen einen Hau zur eigenen rechten Seite mit der kurzen Schneide.

Das Verdrehen des Schwerts (bei Danzig1452: 35r wird explizit der Daumengriff vorgeschrieben, bei Ringeck kann man ihn durch Gebrauch der kurzen Schneide rechts zumindest folgern) ist wahrscheinlich nicht allein aus der Technik selbst zu erklären. Vielmehr rückt so der untere Schnitt noch näher an den Zwerchhau heran, was zum einen didaktisch günstig scheint (man beachte Liechtenauers Tendenz zur Vereinfachung) und zum anderen die taktischen Möglichkeiten beträchtlich erhöht.

Ein weiterer Schnitt findet Anwendung, wenn der Gegner aus einer Bindung umschlägt (siehe Umzwerchen). In diesem Falle springt man aus dem Hau und schneidet dem Gegner von oben in die Arme. Dieser Schnitt heißt der obere Schnitt. Während er bei Danzig doppelt (von beiden Seiten) gezählt wird, fügt Ringeck noch einen weiteren Schnitt auf den Arm hinzu, der gegen das Umschnappen gedacht ist.

Sowohl Ringeck1440: 46vff als auch Danzig1452: 35v führen noch die Verwandlung der Schnitt (oder auch das Händedrücken) aus. Dabei handelt es sich um eine schlenzende Bewegung aus den unteren Schnitten, die in einem der oberen Schnitte endet. Dabei wird also nicht die Klinge über die Hände geschoben, sondern umgekehrt werden die Hände an der Klinge entlang geschleudert, während man gleichzeitig auf die Seite des Gegners tritt.

Viele Quellen (Ringeck1440: 39r, Danzig1452: 5r, Egenolph: 9v, 59r) führen darüber hinaus im Kontext des Nachreißens noch einen sogenannten alten Schnitt auf, dessen Ausführung jedoch nicht völlig klar wird.

Bei Ringeck1440: 39v erscheint der Begriff schneiden auch als Synonym für einen Hau mit ausgeprägter Schnittwirkung.

Im 16. Jhdt, etwa bei Joachim Meyer, verändert sich die Bedeutung des Schnitts signifikant: Da eine ernsthafte Verletzung (bis hin zur Amputation) nicht mehr erwünscht und durch die Veränderung der Waffen (Feder) auch nicht mehr möglich ist, wird der Schnitt nur mehr verwendet, um die Arme oder Hände des Gegners zu kontrollieren. Obwohl der Eingang der Schnitttechniken noch weitgehend denen in früheren Quellen entspricht, enden sie jetzt immer im Wegstossen des Gegners, meist gefolgt von einem erneuten Angriff mit einem Hau.

Nichts unmittelbar mit Schnitten zu tun hat übrigens das Abschneiden, welches Ringeck (im Gegensatz zu etwa Danzig1452: 34rf) nicht glossiert, so dass bei ihm verwirrender Weise die Glossen zu den Schnitten auf diese Überschrift folgen.

Marcel Dorfer meint:

schnitt: Mit Kraft und Körperbewegung von oben – oberer schnitt oder von unten – unterer schnitt über die Arme oder die Gelenke geführte brüche mit der Schwertschneide.

André Schulze meint:

Schnitt: Das Schneiden. Eines der "drei Wunder" aus denen der Angriff mit der Schwertschneide oder dem Schwertort ausgeführt wird. Die anderen beiden Wunder sind Hau und Stich. Bei Tafel 21 wird ein flüssiger Übergang von einem Hau in den Schnitt dargestellt (21).

Quellenverweise:

und viele weitere


Referenzierende Artikel:

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März 2015: Gladiatoria/New Haven von Dierk Hagedorn & Bartlomiej Walczak

Januar 2012: Joachim Meyers Kunst Des Fechtens von Alex Kiermayer

Juli 2010: DVD Langes Schwert Teil 2 von Alex Kiermayer und Hans Heim

Juli 2010: Der Königsegger Codex herausgegeben von André Schulze

Januar 2009: Dierk Hagedorns Transkription und Übersetzung des Peter von Danzig

Mai 2008: Wolfgang Abarts Lebendige Schwertkunst