www.Schwerteln.de : Glossar.Scheitelhau Letzte Änderung: August 05, 2008, at 11:28 AM

Scheitelhau
Letzte Änderung: August 05, 2008, at 11:28 AM von Elmar

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Die Schwertler meinen:

Der Scheitelhau ist einer der verporgen Hau Liechtenauers. In den Quellen des 15. Jhdts wird er als Bruch gegen den Alber angeführt und relativ einhellig beschrieben, wobei der Angriff mehrere Phasen durchläuft, deren logische Anordnung nicht in allen Quellen genau überein stimmt:

  • Aus der Hut vom Tag (meist an der Schulter, bei Speyer aber über dem Kopf) schlägt man mit der langen Schneide und ausgestreckten Armen zum Gesicht des Gegners. Durch die so erreichte maximale Reichweite macht sich der Scheitelhau in seiner ersten Absicht das Überlaufen-Prinzip zu Nutze, so dass man den Gegner mit fast waagerechten Armen trifft. (In der Tat wird diese erste Absicht in keiner der Quellen explizit ausgeführt. Es ist jedoch kaum anzunehmen, dass diese natürlich auftretende Chance auf einen Treffer verschenkt wird.)
  • Um in der zweiten Absicht eine (eher niedrige) Versatzung zum umgehen, heißt es etwa bei Ringeck1440: 32vf oder Speyer: 27vf, man solle mit dem Armen hoch bleiben(!) und den Ort zu Gesicht oder Brust senken. Es wird also hier beim Wahrnehmen einer Versatzung die Bewegung der ersten Absicht noch vor ihrem Abschluß verändert; das Überlaufen-Prinzip wird zugunsten einer Umgehung aufgegeben. Der Gegner wird so gezwungen, abermals zu versetzen. Dieses erste Absenken geschieht noch mit der langen Schneide.
  • Wird (etwa durch Hochstoßen der Kron) weiter nach oben versetzt, so läßt man in der dritten Absicht den Ort mit einer Drehung des Schwerts noch weiter absinken, um die Brust zu erreichen (etwa bei Ringeck1440: 33r). Man beachte dazu, dass mit der Hauptschneide unten die Handgelenke nur einen bestimmten Winkel der Klinge zulassen. Nach dem Verkehren sind jedoch selbst die unteren Blößen problemlos mit einem Stich zu erreichen.
  • Läuft der Gegner nun mit der hohen Kron ein oder stößt diese nach oben, so besteht die vierte Absicht darin, unter Ausnutzung des gegnerischen Impulses die eigene Klinge unter seine Kron zu bringen und dort einen Schnitt mit einem anschließenden Hendtrucken auszuführen.

Bemerkungen: Es stellt sich heraus, dass ein Schnitt direkt aus der zweiten Phase etwas einfacher auszuführen ist, da das Verkehren des Schwertes hier fast automatisch die Klinge unter die Hände des Gegners bringt. So sind die dritte und vierte Absicht möglicherweise eher als Alternativen denn als Abfolge zu sehen. Weiter ist es möglich, die ersten drei Phasen so flüssig auszuführen, dass eine Art Peitscheneffekt entsteht, der selbst einen Hiebtreffer mit verkehrter Klinge noch wirkungsvoll erscheinen läßt.

Anders als landläufig oft angenommen ist der Scheitelhau im 15. Jhdt nicht mit einer Rückwärtsbewegung beschrieben (s.u.), bei Danzig1452: 25r wird sogar ausdrücklich zu einem Sprung auf ihn zu geraten.

Als gängige Versatzung zum Scheitelhau wird wie gesagt die Kron mit anschließendem Einlaufen angegeben. Während sich dies im Vers selbst noch wie eine Empfehlung liest, ist der Stellenwert dieser Verteidigung in den Glossen nicht mehr so klar.

Eine exotischere Fortsetzung ist bei Ringeck1440: 55r bzw. Danzig1452: 80v beschrieben, wo (allerdings im Kampf mit dem Buckler) scheinbar durch Zucken die Verteidigung gegen den Scheitelhau umgangen und dann zu den untere Blößen gestochen wird.

Selbst Mair1542: 3r beschreibt den Scheitelhau noch identisch zu den frühen Quellen. Erst bei Joachim Meyer wandelt sich die Auffassung des Scheitelhaus, er sieht darin nur ein Synonym für einen Oberhau zum Kopf (siehe dort). Meyer ist außerdem wohl die einzige Quelle, die den Scheitelhau mit einer Rückwärtsbewegung beschreibt (20v, 35v). Weiter benutzt Meyer statt Scheitelhau gelegentlich auch den Begriff Schedelhau (siehe dort).

Marcel Dorfer meint:

Scheitelhau, schaittelhaw, scheytelhau: Ein oberhau, der über dem eigenen Haupt senkrecht von oben nach dem Scheitel geschlagen wird.

André Schulze meint:

kein Eintrag

Quellenverweise:


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Juli 2010: Der Königsegger Codex herausgegeben von André Schulze

Januar 2009: Dierk Hagedorns Transkription und Übersetzung des Peter von Danzig

Mai 2008: Wolfgang Abarts Lebendige Schwertkunst