www.Schwerteln.de : Glossar.Langort Letzte Änderung: May 01, 2008, at 01:56 PM

Langort
Letzte Änderung: May 01, 2008, at 01:56 PM von Elmar

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Die Schwertler meinen:

Der Begriff Langort oder auch langer Ort taucht vom GNM 3227a bis zu Meyer immer wieder auf, läßt sich dabei aber nur schwer auf eine ganz konkrete Bedeutung reduzieren. Am ehesten scheint damit eine Position gemeint, bei der die Arme waagerecht ausgestreckt sind und der Ort Brust oder Gesicht des Gegners bedroht. Diese Position kann aber sowohl statisch sein als auch dynamisch erreicht oder auch durchlaufen werden. Ob lang dabei die Reichweite bezeichnen soll oder die Tatsache, dass die lange Schneide unten liegt, ist unklar.

Die besagte Position wird an manchen Stellen wie eine Hut verwendet und teilweise auch explizit so bezeichnet (Danzig1452: 36r, Speyer: 41r). (Das GNM3227a schlägt dabei völlig aus der Reihe, indem es den Langort auf 32r mit Vom Tag identifiziert.) Andere Stellen sprechen vom langen Ort als Stich, meist in Wendungen wie "schieß ihm den langen Ort ein". Auch Talhoffer1467: p4 zeigt wahrscheinlich einen Stich.

Wo der Langort explizit als Hut bezeichnet wird, wird er gar als der edelst und die beste werer am schwertt bezeichnet und außerdem mit dem Sprechfenster gleichgesetzt. (Man beachte Speyer: 41v, wo diese Gleichsetzung relativiert wird, indem es heißt, die Sprechfenster wären zwo hutte auß dem langen ortt.)

Die Position des langen Ortes wird in den Glossen oft zur Provokation im Zufechten gebraucht, ist also eigentlich eine der wenigen lauernden Huten, von denen Liechtenauer ja nach GNM3227a: 32r so wenig hält. Der Gegner wird so zum Versetzen oder Anbinden gezwungen, worauf entsprechend reagiert wird - z.B. durch Ansetzen, Durchwechseln oder Winden.

(Bem.: Hier scheint die Bedeutung des Begriffs Sprechfenster klar zu werden: Reagiert ein Gegner nervös in der Bindung, wird diese aktiv gesucht, um durch ruhiges, passives Spüren jede Gelegenheit sofort nutzen zu können.)

Durch seine Position ist der lange Ort natürlich auch eng mit dem Begriff Ueberlaufen gekoppelt, z.B. bei Speyer: 34r wird er zu dessen Erklärung auch explizit genannt.

Einhellig empfehlen die alten Meister den Schielhau als Bruch gegen den langen Ort, manchmal in zwei Versionen (Danzig1452: 24v, Speyer: 26v), bei Ringeck1440: 32r nur in einer. Der ersten Version ähnlich ist möglicherweise das geschrenckt ortt bei Talhoffer1467: p4.

Meyer zählt den Langort zu den Beylegern, beschreibt die Position indes nicht anders als seine Vorgänger. Auch er setzt ihn mit dem Brechfenster gleich und er empfiehlt ebenfalls als Bruch den Schielhau. Bei Meyer erhält der Langort dadurch weitere Bedeutung, dass viele seiner Haue ihn durchlaufen. Weiter verwendet er ihn, um den Gegner aus den tiefen Huten zu locken (vgl. auch hier das Ueberlaufen).

Die lebendige Schwertkunst meint:

Auch in der lebendigen Schwertkunst bezeichnet der Begriff Langort Angriff und Hut zugleich. Das Langort wird dort unterteilt in oberes, mittleres und unteres Langort - also zu Kopf oder Kehle, zum Bauch oder zu den Beinen. Der Angriff definiert sich weiter durch einen Schritt und dadurch, dass die Hauptschneide im Auftreffen nach unten gedreht ist. Dadurch unterscheidet sich der Langort als Stich und Hut vom Kurzort, den wir ohne Schritt und mit der Hauptschneide nach oben in das Ziel setzen.

Marcel Dorfer meint:

Langer ort, lang ortt: Eine hut bzw. ein langer Stich mit gestreckten Armen zum Gesicht des Gegners.

André Schulze meint:

kein Eintrag

Quellenverweise:


Referenzierende Artikel:

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Januar 2009: Dierk Hagedorns Transkription und Übersetzung des Peter von Danzig

Mai 2008: Wolfgang Abarts Lebendige Schwertkunst