www.Schwerteln.de : Glossar.Ansetzen Letzte Änderung: February 22, 2008, at 02:02 PM

Ansetzen
Letzte Änderung: February 22, 2008, at 02:02 PM von Elmar

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Die Schwertler meinen:

Allgemeine Bedeutung

Der Begriff Ansetzen bezeichnet an vielen Stellen lediglich einen Angriff mit einem Stich. Der Ausdruck kommt wahrscheinlich aus dem Harnischfechten, wo das Ansetzen des Orts noch nicht automatisch eine Verletzung zur Folge hat, sondern ein Dringen (Danzig1452: 67v, 79v, vgl. auch Talhoffer1467: p43: gedreng) folgt mit dem Ziel, den Gegner umzuwerfen oder die Rüstung zu durchdringen. Anders als in Liechtenauers Bloßfechten sind die vier ansetzen bei Danzig1452: 79v in Gesicht, Hals, Brust und (linke) Achsel eingeteilt.

An zahlreichen Stellen im Bloßfechten wird Ansetzen völlig synonym zum Stich verwendet (Speyer: 130r ff, Egenolph: 10v), auch mit anderen Waffen als dem Schwert (Danzig1452: 54r, 61r) oder aus dem Winden (Danzig1452: 14r). (Trotzdem ist eine Tendenz erkennbar, den Angriff mit dem Ort aus dem Winden mit dem Wort Stich selbst zu beschreiben.)

In Zusammenhang mit den anderen Waffen ist es auch interessant, dass bei Danzig1452: 31v und 55v mit fast wörtlich derselben Formulierung beim Durchwechseln vor dem Ansetzen gewarnt wird - allerdings einmal mit den langen Schwert und einmal mit der Stangenwaffe. Dieselbe Warnung findet sich dann übrigens auch bei Meyer1570: 21v noch.

Manche der Schriften warnen, dass das obere Ansetzen eine höhere Reichweite hat als das untere (Ringeck1440: 39v, Danzig1452: 62r) und deshalb zu bevorzugen wäre, ja gar das untere Ansetzen brechen könne.

Stellenweise findet sich neben dem Ansetzen des Orts auch das Ansetzen der Klinge zum Schnitt (Egenolph: 10r, 45v).

Liechtenauer

Bei Liechtenauer bezeichnet das Ansetzen im engeren Sinne ein Stück aus dem Zufechten. Ihm zufolge gibt es vier Ansetzen (an vier Enden), die Glossen teilen diese zumeist den vier Blößen zu. Das Ansetzen erfolgt aus Pflug oder Ochs heraus, wenn der Gegner zu Oberhau, Unterhau oder Stich ausholt (was womöglich auf einen eher unkundigen Fechter hindeutet). Es wird dann sofort in die Ausholbewegung hinein zur sich dadurch öffnenden Blöße gestochen. Falls der Gegner seine Bewegung frühzeitig genug abbrechen kann, um zu versetzen, wird geraten, im Band zu bleiben und wie üblich die nächste Blöße zu suchen.

Bei Ringeck1440: 36r finden wir den Vers mit einer ganz anderen Technik glossiert, die aus dem Bloßfechten ins Halbschwert fällt, um dem Gegner im Gesicht (oder auch den zuo den vier blössen zuo welcher dü am basten komen kanst) anzusetzen. Auch bei GNM3227a: 32v wird der Vers nicht glossiert, dafür kommt der Begriff dann dort auch in Versen anderer Meister vor (55r, 60r).

Marcel Dorfer meint:

ansetzen: Allgemein einen Angriff auf eine bestimmte Körperpartie führen. Speziell wenn der Gegner gerade zu einem Angriff ausholt und eine Blöße entsteht.

André Schulze meint:

Ansetzen: Direktes Attackieren der Blöße des Gegners, ohne das gegnerische Schwert mit dem eigenen zu berühren; in der Regel mit einem Stich.

Quellenverweise:


Referenzierende Artikel:

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März 2015: Gladiatoria/New Haven von Dierk Hagedorn & Bartlomiej Walczak

Januar 2012: Joachim Meyers Kunst Des Fechtens von Alex Kiermayer

Juli 2010: DVD Langes Schwert Teil 2 von Alex Kiermayer und Hans Heim

Juli 2010: Der Königsegger Codex herausgegeben von André Schulze

Januar 2009: Dierk Hagedorns Transkription und Übersetzung des Peter von Danzig

Mai 2008: Wolfgang Abarts Lebendige Schwertkunst