www.Schwerteln.de : Glossar.Stich Letzte Änderung: February 29, 2008, at 12:07 PM

Stich
Letzte Änderung: February 29, 2008, at 12:07 PM von Elmar

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Die Schwertler meinen:

Der Stich mit dem Ort ist im Fechten des 15. Jhdts eine zentrale Angriffstechnik, die jedoch im Gegensatz zum Hau im Zufechten fast ausschließlich entweder als Reaktion oder als zweite Absicht vorkommt.

Zumindest zwei der vier Hauptleger, nämlich Ochs und Pflug, drohen in den gebräuchlichen Varianten bereits durch Übergang in den Langort mit einem Stich. Dazu kommt später noch der Schlüssel, der ebenfalls bereits zum Stich ausgerichtet ist.

Am häufigsten kommt der Stich wohl als Teil der drei Wunder, d.h. aus dem Winden vor. Teil der kunstfertigen Arbeit im Band ist daher, dass der Ort auf eine Blöße ausgerichtet wird und aus dieser Position gestochen wird. Wird der Weg vom Gegner verstellt, wandert der Ort wenn möglich direkt zur nächsten Blöße. Die technische Durchführung des Stichs ergibt sich so meist automatisch aus den Gegebenheiten der Position.

Aber auch in anderen taktischen Situationen beschreiben die Quellen den Stich als Angriff:

  • Beim Ansetzen erfolgt der Stich ohne Band in eine Ausholbewegung hinein.
  • Beim Durchwechseln unterläuft der Ort die Klinge des Gegners (der eine bevorstehende Bindung erwartet) und kann anschließend sofort von der anderen Seite aus einstechen.
  • Beim Absetzen versetzt ein Wechsel der Auslage einen gegnerischen Angriff. Dabei bleibt der Ort auf den Gegner ausgerichtet, so dass im Zuge dessen mit einer Vorwärtsbewegung ein eigener Stich erfolgen kann.
  • Beim Anheften (z.B. Danzig1452: 69v, Talhoffer1467: p44f) wird der Gegner aus der Distanz in exponierte Gliedmaßen gestochen, um ihn so kontrollieren zu können.
  • Auch der Begriff der Hengen hängt wohl eng mit dem Stich zusammen, da das Einhängen des Orts (z.B. bei Danzig1452: 14v) die Positionierung zum Stich bezeichnet.

Generell werden hohe Ziele bevorzugt; so erfolgen die Stiche meist zu Gesicht, Hals und Brust, seltener zum Bauch. Wirklich tiefe Stiche kommen hingegen bis auf wenige Ausnahmen (z.B. Stich zwischen die Beine im Harnischfechten, etwa Speyer: 130v) gar nicht vor. Grund dafür ist wohl der Nachteil bei der Reichweite, sowie die schlechtere Möglichkeit zum Eigenschutz (siehe etwa die explizite Warnung bei GNM3227a: 16r). Man bedenke dazu, dass ein tiefer Stich, der den Gegner tödlich verletzt, einen etwaigen Angriff von oben trotzdem nicht automatisch stoppt. Ein Stich ins Gesicht hingegen unterbindet einen Angriff wirksam. (Siehe auch Ueberlaufen, dieses macht sich genau diesen Reichweitenvorteil zu Nutze.)

Der Stich von unten wird in bebilderten Quellen manchmal explizit mit einem Finger vor dem Gehilz gezeigt (etwa Talhoffer1467: p4). Spätere Gehilzformen, etwa bei Rapieren, tragen dieser speziellen Handhaltung durch einen Fingerring Rechnung. Die manchmal geäußerte These, Stiche gegen den Brustraum würden in erster Linie mit liegender Klinge vorgetragen, um zwischen die Rippen dringen zu können, kann aus den uns bekannten Quellen übrigens nicht gestützt werden.

Als Verteidigung gegen einen unteren Stich wird in vielen Quellen (z.B. Danzig1452: 23v, Egenolph: 9r) ein Schielhau, der dann wohl mit tiefen Händen endet, angeführt.

Anders als oft angenommen finden sich auch im 16. Jhdt noch Hinweise auf den Stich (etwa Meyer1570: 38v, 62r), gerade letztere Stelle deutet aber darauf hin, dass es dort eher darum geht, den Gegner mit dem Ort von sich zu stossen.

Die lebendige Schwertkunst meint:

In der lebendigen Schwertkunst werden Stiche in Langort und Kurzort unterschieden. Während beim Langort die lange Schneide nach unten zeigt, zeigt sie beim Kurzort nach oben. (Man stelle sich beispielsweise einen direkten Stich aus dem Ochs mit hohen Händen vor.) Möglich sind aber sowohl Lang- als auch Kurzort auf allen drei Ebenen, also aus Pflug, Schlüssel und Ochs, und auch zu allen Blößen. Der Langort wird in der Regel mit, der Kurzort ohne Schritt ausgeführt.

Marcel Dorfer meint:

stich: Stich (mit dem ort).

André Schulze meint:

Stich: Stoß mit dem Schwertort bzw. mit der Spitze einer Waffe (42, 58, 61, 66, 92, 97, 103, 130, 132, 133, 135, 136, 137, 139, 142, 143, 150, 167, 170, 171, 172, 173). Messerstiche ausgenommen.

Quellenverweise:

und zahllose weitere


Referenzierende Artikel:

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März 2015: Gladiatoria/New Haven von Dierk Hagedorn & Bartlomiej Walczak

Januar 2012: Joachim Meyers Kunst Des Fechtens von Alex Kiermayer

Juli 2010: DVD Langes Schwert Teil 2 von Alex Kiermayer und Hans Heim

Juli 2010: Der Königsegger Codex herausgegeben von André Schulze

Januar 2009: Dierk Hagedorns Transkription und Übersetzung des Peter von Danzig

Mai 2008: Wolfgang Abarts Lebendige Schwertkunst